Die Depressionsspirale [1]

Die Entwicklung einer Depression kann sehr unterschiedlich sein.  Der eine reagiert  vielleicht auf eine ganz bestimmte Situation. Er oder sie wird arbeitslos .. oder der Lebenspartner wird krank, will sich trennen oder stirbt unerwartet .. oder das Berufsleben ist beendet und die Umstellung in den neuen Ruhestand wird zunehmend schwierig, so wie ein schwarzes Loch, was sich auftut und immer größer wird ... Oder aber es gibt gar keinen sofort sichtbaren Auslöser ... Es geschieht unmerklich ... Für manche ist es wie ein alt vertrautes Fahrwasser ... diese trüben Gedanken .. immer weiter... immer tiefer... immer mehr. Man merkt nicht, wie man selbst sich mehr und mehr verstrickt... es scheint wie angeflogen. 

 

Und irgendwann ist es so, als hätte man eine schwarze Brille auf: Es gibt nur noch die negative Sicht der Dinge... es gibt nichts, was einen freuen könn­­te. Die Gedanken kreisen... die Zukunft er scheint verschlossen... der Blick nach vorne wie in einen tiefen Tunnel... ohne jedes Licht am Ende... endlos, ohne Hoffnung... hilflos ausgeliefert... wie in sich selbst gefangen.

 

Aber auch der Körper reagiert  auf seine Weise. Zuerst ist es vielleicht nur diese Müdigkeit, diese Schwere in den Gliedern. Es fehlt der Schwung .. und auch der Kreislauf kommt nicht mehr auf Touren. Nichts schmeckt mehr richtig .. kein Appetit .. und selbst die Verdauung klappt nicht mehr .. alles ist verstopft. Und dann gibt es noch die Stoffwechselprozesse im Gehirn, die man zwar nicht bewußt wahrnehmen kann, die aber dazu führen, daß sich die Dinge verselbständigen können, so daß man irgendwann von alleine nicht mehr herauskommt aus dieser Spirale. Man ist auf Hilfe angewiesen, auf Medikamente, die den Stoffwechsel im Gehirn wieder in Ordnung bringen.

 

Doch dies alleine ist oft nur ein Anfang. Es geht darum, den Einstieg in die Spirale zu erkennen, zu erfahren, wie man hineinkommt in dieses Fahrwasser. Damit man sich schützen kann, wieder in solche Strudel zu geraten. In Zukunft nicht mehr im Sumpf der Probleme versinken, an Lösungen denken und daran, wie man vieles in seinem Leben ja schon gemeistert hat. Das ist ein Weg der Psychotherapie. Wer ihn geht, kann vielleicht mit mehr Zuversicht sein Leben meistern, die Depressionsspirale umkehren.

 



[1] H.-W. Stecker, Solingen, Oktober 1999 (Bild: Watzlawick: Anleitung zum Unglücklichsein)