Depression

eine kurze Übersicht

Stand 11/2006

Etwa jeder Zehnte in der Bevölkerung erkrankt im Laufe seines Lebens an einer leichten depressiven Störung, dabei doppelt so viele Frauen wie Männer (siehe Geschlechtsspezifität).

Depression kann sich im Einzelfall zu einer lebensbedrohlichen Krankheit entwickeln. Sie kann zum Tode führen, weil Depressive ihre Situation als ausweglos erleben können und deshalb versuchen, sich das Leben zu nehmen. Auch wenn der Suizidversuch überlebt wird, können durch ihn dauerhafte körperliche Schäden entstehen, die das weitere Leben stark beeinträchtigen.

Das Kompetenznetz Depression weist darauf hin, dass nur 10 Prozent der Patienten eine Therapie erhalten, die dem Stand der Forschung entspricht. Insbesondere die Hausärzte sind zu wenig darin ausgebildet, Depressionen frühzeitig zu erkennen. Jede zwei Depression wird vom Hausarzt übersehen. Die überwiegende Zahl der Suizidopfer war kurz vor dem Suizidereignis in der Sprechstunde des Hausarztes. Die leichteren Stadien der Depression werden häufig nicht als Depression erkannt. Dies führt neben falscher Behandlung auftretender Symptome häufig auch zu Fehlreaktionen der sozialen Umwelt („Stell Dich nicht so an! Reiß Dich mal zusammen!“), durch die sich die Erkrankung weiter verschlimmern kann („Keiner versteht mich...“). Das Deutsche Bündnis gegen Depression verfolgt hier das wichtige Ziel, die Bevölkerung und insbesondere auch die Hausärzte mehr über Diagnostik und Behandlung von Depressionen zu informieren.

Auch im Bereich der stationären Behandlung finden depressive Patienten oft keine angemessene Behandlung. Vielfach fördern die Behandlungskonzepte der biologisch orientierten Psychiatrie oder der Sozialpsychiatrie eher eine Chronifizierung der Störung. Es ist zu fordern, in psychiatrischen Krankenhäusern Depressionsstationen einzurichten, in denen depressive Patienten mit einem umfassenden psychotherapeutisch orientierten Behandlungskonzept behandelt werden können. Ein solches Behandlungskonzept wird z.B. in den 
       Rheinischen Kliniken Langenfeld angeboten 
(siehe ausführliche Darstellung in den Folien zum Vortrag 
       "Konzepte der Depressionsbehandlung" pdf-Datei / pdf-Datei 0,9 MB). 
Dieser Vortrag setzt sich mit den stationären Behandlungskonzepten der biologischen Psychiatrie und der Sozialpsychiatrie auseinander, die zu einer Verkürzung der Verweildauern führen und nicht für alle psychischen Störungen als geeignet erscheinen. Sie begünstigen eher eine Chronifizierung. In der Konsequenz finden hier Psychiatrische Pflege und Psychotherapie kaum noch Ansatzpunkte.
Dem gegenüber wird das Behandlungskonzept einer psychotherapeutisch orientierten Station vorgestellt: 
   - Spezialisierung nur auf ein Störungsbild (Beispiel Depression), 
   - Vermittlung eines Krankheitsverständnisses schon durch das Behandlungskonzept 
   - Kriterien stationärer (psychotherapeutischer) Behandlung
   - Darstellung der Station: von der Vorbereitung des Teams bis zu den einzelnen Phasen der Behandlung.
Weitere Informationen und ausführliche Darstellung einzelner Elemente dieser stationären psychotherapeutischen Behandlung mit weiteren Folien siehe in den Seiten
       Ursachen und Behandlung und weiterführende Literatur.

Die Heilungsaussichten sind in Folge der inzwischen entwickelten Möglichkeiten der Psychotherapie als gut zu beurteilen. In der von der dgppn heraus gegebenen
       Behandlungsleitlinie für affektive Störungen 
sind neben der biologisch orientierten Therapie insbesondere durch Antidepressiva auch die etablierten psychotherapeutischen Verfahren mit aufgenommen. Auch die interpersonelle Therapie (IPT) gilt inzwischen nach einem Gutachten des wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie als wissenschaftlich anerkanntes Verfahren zur Behandlung affektiver Störungen. Die Behandlung alleine mit Psychopharmaka ist nach neueren Erkenntnissen als sehr kritisch zu sehen. Zu fordern ist eine integrative psychotherapeutisch orientierte Behandlung (siehe Artikel 
       "Antidepressiva nicht alleiniges Mittel der Wahl".

Geschlechtsspezifität der Depression:

Alle internationalen Studien über die Häufigkeit depressiver Störungen bestätigen die Tatsache, daß Frauen doppelt so häufig an depressiven Störungen erkranken wie Männer. Dies mag genetische oder hormonelle Ursachen haben, kann aber zum Teil auch geschlechtsspezifische Unterschiede der sozialen Situation oder in der Krankheitsbewertung und im Krankheitsverhalten widerspiegeln. Jüngste Untersuchungen von ANGST (1987) im Rahmen der sogenannten Zürich-Studie verdeutlichen, daß Frauen zumindest leichten depressiven Verstimmungen mehr Beachtung beimessen, stärkere Hilfserwartungen entwickeln und sich später deutlicher an die Krankheitsepisode erinnern. Von besonderem Aufschluß sind in diesem Zusammenhang Untersuchungen zu Schlafstörungen, bei denen mittels der Polysomnographie die Möglichkeit der Objektivierung der geklagten Beschwerden besteht. Dabei ergab sich, daß Männer objektiv, d.h. bei Messungen im Schlaflabor, deutlich schlechter als Frauen schlafen, letztere aber wesentlich häufiger subjektiv über einen unzureichenden Schlaf klagen und entsprechende Behandlung wünschen. Ähnliche Ergebnisse zu geschlechtsspezifisch differentem Krankheitsverhalten und ebensolcher -bewältigung liegen auch für Herzbeschwerden oder für Angststörungen vor.

zitiert nach Berger, Mathias (Hrsg.): Psychische Erkrankungen, Klinik und Therapie. Urban& Fischer, München 2004, S. 545